Gesundheit messen: Methoden für die evidenzbasierte Gesundheitsförderung

Förderung: Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

 Kompetenzfelder:    Mess- und Sensortechnik, Gesundheitsförderung und Organisationsentwicklung, Bioanalytik

Zeitrahmen:        01.01.2018 – 31.12.2021

An der Hochschule Coburg sind zwei Forschungsschwerpunkte „Gesundheitsförderung“ und „Mess- und Sensortechnik“ etabliert. Die gemeinsame Schnittmenge beider Schwerpunkte zeigt sich in einer interdisziplinären Betrachtungsweise der Erhaltung, Wiederherstellung und Förderung der Gesund­heit, der Lebensqualität und des Wohlbefindens, der Leistungsfähigkeit sowie der Mobilität und Auto­nomie der Menschen in ihrer sozialräumlichen Umgebung.

Über eine Ver­zahnung der beiden bestehenden Forschungsschwerpunkte mit den Forschungsfeldern Bioanalytik und Versiche­rung werden innerhalb des Forschungsprojekts „Gesundheit messen“ Analyse- und Sensortechnologien etabliert, welche die Basis für eine evi­denz­ba­sierte Gesund­heitsförderung bilden. Parallel dazu wird sowohl die gesundheitsökonomische als auch gesamtgesellschaftlich-ethische Betrachtung miteingeschlossen und berücksichtigt. Dies ebnet den Weg für eine gesamtheitliche Bewertung der Interventionen und der Mess- und Sensortechnik sowie eine Analyse im Hinblick auf die Nutzung und Anwendung in Ver­siche­rungslösungen­.

Für einen nachhaltigen Transfer erprobter Interventionsprogramme sowie praxistauglicher Messsysteme und Verfahren erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit Industriepartnern aus Sozialwesen und Wirtschaft. Der Aufbau von Forschungs-und Managementstrukturen und die themenbezogene Vernetzung mit Industrie und Anwendern wird an dem Leitprojekt „Dehydration“ etabliert und gefestigt. Dehydration ist vor allem in der alternden Gesellschaft ein weit verbreitetes Phänomen. Besonders eine schleichende und unerkannte Dehydration führt oft zu enormen gesundheitlichen Schwierigkeiten, deren Vorbeugung Ziel des Leitprojekts ist. Hierzu werden in den nachfolgend dargestellten Schwerpunkten drei kooperative Promotionen, die sich um die Thematik Alterung und Dehydration gruppieren, durchgeführt.

Schwerpunkt Bioanalytik – Prof. Dr. Stefan Kalkhof & Prof. Dr. Janosch Hildebrand:

Die Promotionsarbeit „Bioanalytik“ verknüpft bereits etablierte Marker einer akuten Dehydration mit der Suche nach neuen biochemischen und molekularbiologischen Markern u.a. anhand von Blut- und Urinproben. Mit diesen wird eine Stratifizierung von Bevölkerungsgruppen für die Gesundheitsförderung möglich sein. Hierdurch sollen die geeignetsten Präventionsmaßnahmen identifiziert und Interventionserfolge messbar gemacht werden. Die Promotion wird kooperativ von Prof. Dr. Stefan Kalkhof zusammen mit Prof. Dr. Janosch Hildebrand geleitet.

Ausgehend vom Entwicklungsthema Dehydration fördern Frau Prof. Dr. Susanne Aileen Funke und Prof. Dr. Matthias Noll mit ihrer Expertise auf dem Gebiet der Biomarker bzw. Hygiene und Mikrobiomen die thematische Weiterentwicklung des Forschungsbereichs. Die medizinische Überwachung, Supervision der Probenentnahme, Beratung und Befundbewertung erfolgt dabei durch die neuberufene Professorin und habilitierte Ärztin Frau Meißner.

Schwerpunkt Gesundheitsförderung – Prof. Dr. Holger Hassel:

Ziel der Promotionsarbeit „Gesundheitsförderung“ unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Hassel ist es, partizipativ mit den Zielgruppen und den Praxispartnern in unterschiedlichen Settings nachhaltige Strategien (1) zur Förderung ausreichender Flüssigkeitszufuhr und (2) Prävention von Dehydration zu erproben. Dabei steht die Bedarfsermittlung sowohl zum Selbst-Monitoring als auch zur Evaluation für Multiplikatoren im Fokus. Die Herausforderung ist, praxistaugliche und verlässliche Messinstrumente und -Verfahren zu etablieren, die sowohl von den sehr heterogenen Adressaten selbst, als auch von Multiplikatoren im stationären Bereich genutzt werden können. Die Promotionsarbeit wirkt unterstützend für die beiden weiteren Arbeiten, um die Nähe zur Anwendung zu sichern und die erzielbaren Wirkungen analysieren zu können.

Prof. Dr. Niko Kohls unterstützt das Forschungsvorhaben als Medizinpsychologe mit seiner Forschungstätigkeit im Bereich „Age Management“ bei neurobiologischen und gesundheitspsychologischen Fragestellungen. Im Bereich Gesundheitsökonomie & Risikomanagement bringt Prof. Dr. Mirko Kraft seine Expertise aus dem Themenfeld der Versicherungswirtschaft ein.

Schwerpunkt Sensorik – Prof. Dr. Klaus Stefan Drese:

Die Promotionsarbeit „Sensorik“ unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Stefan Drese untersucht die Eignung von nicht-invasiven Sensoren für das tägliche Monitoring der Hydration. Herausforderung hierbei ist, eine Multiparameter Sensorik zu identifizieren, welche den Hydrationszustand zuverlässig feststellt aber auch ausreichend robust gegenüber Störgrößen ist und sich außerdem hinsichtlich Größe und Energieverbrauch für den mobilen Einsatz eignet. Die Forschung auf diesem Gebiet wird aktuell dadurch erschwert, dass keine Methode zur Quantifizierung des Hydrationszustandes existiert. Um den Hydratationszustand zuverlässig zu erfassen, sollen daher erstmals drei Messprinzipien miteinander kombiniert werden. Vorgesehen sind Untersuchungen zur Eignung einer mikroakustischen Sensorik für die Messung mechanischer Eigenschaften menschlichen Gewebes zur Beurteilung des Dehydrationsgrades. Die akustische Sensorik soll um einen elektrischen Sensor zur Messung der dielektrischen Gewebeeigenschaften ergänzt werden, welche von Prof. Dr. Michael Rossner durch seine Expertise im Bereich der elektrischen Feldsonden unterstützt wird. Kombiniert werden diese beiden Messverfahren mit einem optischen Verfahren zur Messung von Absorptionsbanden (H2O-Spektren), die ebenfalls auf den Wassergehalt des Gewebes rückschließen lassen. Hierbei wirkt Prof. Dr. Maria Kufner mit ihrem Wissen im Bereich der Mikrooptik mit.